Rund 100 internationale Schulen gibt es in Deutschland, verteilt auf 27 Städte. Die meisten davon unterrichten auf Englisch und führen zum International Baccalaureate (IB) statt zum deutschen Abitur. Die Gebühren liegen zwischen 10.000 und 25.000 Euro pro Jahr. Für wen lohnt sich das, und worauf sollten Eltern achten?
Was macht eine internationale Schule aus?
Internationale Schulen unterscheiden sich in mehreren Punkten vom deutschen Regelschulsystem:
Unterrichtssprache: Der Unterricht findet überwiegend auf Englisch statt. Deutsch wird als Fremdsprache oder als Zusatzfach angeboten. Manche Schulen arbeiten bilingual, aber Englisch ist fast immer die Hauptsprache.
Lehrplan: Statt der Lehrpläne der Bundesländer folgen internationale Schulen einem international anerkannten Curriculum, meistens dem der International Baccalaureate Organization (IBO). Andere Schulen nutzen das britische Cambridge-Curriculum, den amerikanischen Advanced Placement (AP) oder das National Curriculum of England.
Abschlüsse: Am Ende der Schullaufbahn steht in der Regel das International Baccalaureate Diploma (IB), das nach Klasse 12 abgelegt wird. Das IB wird in Deutschland bei entsprechender Fächerwahl als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt. Einige internationale Schulen bieten zusätzlich das deutsche Abitur an, das ist aber die Ausnahme.
Klassengruppen: Die Klassen sind in der Regel deutlich kleiner als an öffentlichen Schulen. 15 bis 20 Schüler pro Klasse sind üblich, an manchen Schulen auch weniger. Das ermöglicht individuellere Betreuung.
Schülerschaft: Die Schüler kommen aus vielen verschiedenen Ländern. An grossen internationalen Schulen sind 40 bis 70 Nationalitäten vertreten. Das schafft ein internationales Umfeld, in dem Kinder fast beiläufig interkulturelle Kompetenz entwickeln.
Welche Abschlüsse gibt es?
Das IB-Programm ist in drei Stufen aufgebaut, die die gesamte Schullaufbahn abdecken:
Primary Years Programme (PYP): Für Kinder von 3 bis 12 Jahren, vergleichbar mit Kindergarten und Grundschule. Der Fokus liegt auf ganzheitlichem Lernen und der Entwicklung grundlegender Fähigkeiten.
Middle Years Programme (MYP): Für 11- bis 16-Jährige, vergleichbar mit der Sekundarstufe I. Die Anforderungen entsprechen etwa dem Niveau einer Realschule bis unteren Gymnasialstufe.
Diploma Programme (DP): Für 16- bis 19-Jährige, die letzten zwei Jahre vor dem Abschluss. Das DP schliesst mit dem IB-Diplom ab. Geprüft wird in sechs Fächern aus verschiedenen Bereichen (Sprachen, Naturwissenschaften, Mathematik, Geisteswissenschaften, Kunst). Dazu kommen ein Extended Essay (wissenschaftliche Arbeit), der Kurs "Theory of Knowledge" und soziales Engagement (CAS: Creativity, Activity, Service).
Das IB-Diplom wird in Deutschland als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt, allerdings nur bei bestimmter Fächerwahl. Wer in Deutschland studieren will, sollte sich vor der Kurswahl bei der Zeugnisanerkennungsstelle des jeweiligen Bundeslandes erkundigen. Die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz regeln die Anerkennung im Detail. Fehlt ein bestimmtes Fach, kann das IB als Fachhochschulreife, aber nicht als allgemeine Hochschulreife gelten.
Was kostet eine internationale Schule?
Internationale Schulen in Deutschland sind Privatschulen und finanzieren sich überwiegend über Schulgebühren. Die meisten sind als Ergänzungsschulen anerkannt und erhalten keine staatliche Finanzierung.
Die Gebühren variieren stark je nach Schule, Standort und Klassenstufe. Als grobe Orientierung:
Kindergarten/Vorschule: 10.000 bis 14.000 Euro pro Jahr.
Grundschule: 12.000 bis 18.000 Euro pro Jahr.
Sekundarstufe: 15.000 bis 23.000 Euro pro Jahr.
IB-Diplom (Klassen 11-12): 18.000 bis 25.000 Euro pro Jahr, zuzüglich Prüfungsgebühren von etwa 1.500 bis 2.500 Euro.
Hinzu kommen oft Aufnahmegebühren (einmalig 1.000 bis 5.000 Euro), Kosten für das Mittagessen, Schulbus, Ausflüge und Materialien. Einige Schulen bieten Financial Assistance Programme oder Stipendien an, die Zahl der verfügbaren Plätze ist aber begrenzt.
Zum Vergleich: An einer deutschen Privatschule (Montessori, Waldorf) zahlen Eltern in der Regel 200 bis 500 Euro pro Monat, also 2.400 bis 6.000 Euro pro Jahr. Internationale Schulen liegen preislich also deutlich darüber.
Für wen lohnt sich eine internationale Schule?
Expat-Familien und Zugezogene: Familien, die für einige Jahre beruflich in Deutschland leben und danach weiterziehen, profitieren am meisten. Ihr Kind lernt in einer Sprache weiter, die es bereits spricht, und der Wechsel in eine internationale Schule im nächsten Land ist reibungslos, weil das IB-Curriculum weltweit identisch ist.
Bilinguale Familien: Wenn ein Elternteil englischsprachig ist und das Kind zweisprachig aufwachsen soll, kann eine internationale Schule die konsequente Fortsetzung der häuslichen Spracherziehung sein.
Familien mit internationalem Studienplan: Wenn Ihr Kind später im Ausland studieren soll, besonders in den USA, Grossbritannien oder Kanada, kann das IB-Diplom ein Vorteil sein. Es wird weltweit von Universitäten anerkannt und bereitet gezielt auf ein internationales Studium vor.
Kinder, die im deutschen System nicht zurechtgekommen sind: Manche Kinder blühen in einem anderen pädagogischen Umfeld auf. Der IB-Ansatz mit Projektarbeit, fächerübergreifendem Lernen und weniger Frontalunterricht kann für bestimmte Lerntypen besser passen als das deutsche Gymnasium.
Welche Nachteile gibt es?
Kosten: Zwischen 10.000 und 25.000 Euro pro Jahr sind eine erhebliche finanzielle Belastung, und das über die gesamte Schullaufbahn. Bei zwei Kindern verdoppelt sich der Betrag.
Anerkennung des Abschlusses: Das IB wird in Deutschland nur bei bestimmter Fächerwahl als allgemeine Hochschulreife anerkannt. Wer die Fächervorgaben nicht einhält, hat im schlimmsten Fall kein vollwertiges Abitur. Prüfen Sie das vor der Kurswahl.
Rückkehr ins deutsche System: Wer eine internationale Schule verlässt und ins deutsche Regelschulsystem wechselt, kann Schwierigkeiten bekommen. Lehrpläne, Bewertungssysteme und Fächeraufteilung weichen stark ab. Je länger das Kind an einer internationalen Schule war, desto schwieriger wird der Wechsel.
Soziale Blase: Internationale Schulen ziehen ein bestimmtes Klientel an: Diplomatenkinder, Kinder von Führungskräften, wohlhabende Familien. Das Umfeld ist privilegiert und nicht repräsentativ für die Gesellschaft. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, hängt von Ihrer Perspektive ab.
Standorte in Deutschland
Die grössten Ballungsräume haben jeweils mehrere internationale Schulen: Berlin, München, Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf und Köln führen die Liste an. Aber auch in kleineren Städten wie Hannover, Bonn, Dresden oder Freiburg gibt es internationale Schulen. Die International School Hannover Region beispielsweise betreut rund 600 Schüler aus über 65 Nationen, mit Gebühren zwischen 11.500 und 20.100 Euro pro Jahr.
Auf schulbewertung.net finden Sie Bewertungen und Erfahrungsberichte zu allen Schultypen in Deutschland. In unserer Schultypen-Übersicht können Sie gezielt nach Schulen in Ihrer Region suchen und die verschiedenen Angebote vergleichen.