Irgendwann steht die Frage in fast jeder Familie im Raum: Braucht mein Kind Nachhilfe? Rund 1,2 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland nehmen regelmässig Nachhilfeunterricht, die Branche setzt jährlich über eine Milliarde Euro um. Doch nicht jedes Kind braucht Nachhilfe, und nicht jede Nachhilfe bringt etwas. Dieser Ratgeber hilft Ihnen einzuschätzen, wann Nachhilfe sinnvoll ist, welche Form zu Ihrem Kind passt und was Sie dafür bezahlen müssen.

Wann ist Nachhilfe sinnvoll?

Nachhilfe macht Sinn, wenn Ihr Kind in einem Fach den Anschluss verloren hat und die Lücken aus eigener Kraft nicht mehr schliessen kann. Das passiert häufig nach einer längeren Krankheit, einem Schulwechsel, einem Lehrerwechsel oder wenn der Stoff aufeinander aufbaut und die Grundlagen fehlen, etwa in Mathematik oder Fremdsprachen.

Nachhilfe macht auch Sinn als gezielte Vorbereitung auf eine konkrete Prüfung: Klassenarbeit, Nachprüfung, Abschlussprüfung. In diesen Fällen geht es darum, in einem überschaubaren Zeitraum bestimmte Lücken zu schliessen.

Weniger sinnvoll ist Nachhilfe als Dauerlösung. Wenn Ihr Kind seit zwei Jahren jede Woche Mathe-Nachhilfe hat und sich trotzdem nicht verbessert, stimmt etwas Grundlegendes nicht. Entweder passt die Nachhilfe nicht, oder das Problem liegt woanders: Überforderung durch die Schulform, eine unerkannte Lernschwäche, Motivationsprobleme oder Konflikte mit der Lehrkraft.

Und Nachhilfe ist kein Ersatz für Aufmerksamkeit im Unterricht. Kinder, die sich darauf verlassen, dass nachmittags jemand den Stoff nochmal erklärt, gewöhnen sich ab, im Unterricht mitzuarbeiten. Das ist ein Teufelskreis.

Welche Formen gibt es?

Einzelnachhilfe zu Hause oder beim Nachhilfelehrer. Die intensivste Form. Der Unterricht wird vollständig auf Ihr Kind zugeschnitten. Stärken und Schwächen lassen sich gezielt bearbeiten, das Tempo bestimmt das Kind. Nachteil: Es ist die teuerste Variante, und die Qualität hängt vollständig von der einen Person ab, die unterrichtet.

Gruppennachhilfe bei Instituten. Die bekanntesten Anbieter sind Studienkreis und Schülerhilfe mit zusammen über 2.000 Standorten in Deutschland. Der Unterricht findet in Kleingruppen von drei bis fünf Schülern statt. Vorteil: günstiger als Einzelnachhilfe, feste Strukturen, professionelle Organisation. Nachteil: weniger individuell, und die Qualität der Lehrkraft variiert stark von Standort zu Standort.

Online-Nachhilfe. Seit der Pandemie hat sich Online-Nachhilfe per Video etabliert. Die Vorteile liegen auf der Hand: keine Anfahrt, grössere Auswahl an Lehrkräften, oft günstiger. Für ältere Schüler ab der Mittelstufe funktioniert das gut. Für Grundschulkinder ist der persönliche Kontakt in der Regel besser, weil jüngere Kinder sich am Bildschirm schlechter konzentrieren.

Schülerhilfe durch ältere Schüler. Viele Schulen bieten Programme an, in denen Oberstufenschüler jüngeren Schülern helfen. Das ist meist kostenlos oder sehr günstig und hat einen sozialen Mehrwert für beide Seiten. Die fachliche Tiefe ist allerdings begrenzt, und es fehlt an didaktischer Ausbildung.

Lernplattformen und Apps. Sofatutor, simpleclub, Anton und ähnliche Angebote bieten Erklärvideos und Übungen. Sie ersetzen keine Nachhilfe, können aber eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn Ihr Kind den Stoff nur einmal anders erklärt bekommen muss. Die monatlichen Kosten liegen zwischen 5 und 30 Euro.

Was kostet Nachhilfe?

Die Kosten unterscheiden sich je nach Form, Region und Qualifikation der Lehrkraft erheblich.

Einzelnachhilfe kostet zwischen 20 und 50 Euro pro Stunde. Studierende verlangen am unteren Ende, ausgebildete Lehrkräfte oder spezialisierte Nachhilfelehrer am oberen. In Grossstädten sind die Preise höher als auf dem Land.

Gruppennachhilfe bei Instituten liegt bei 100 bis 200 Euro pro Monat für ein bis zwei Sitzungen pro Woche. Viele Institute bieten Geschwisterrabatte und Probemonate an. Achten Sie auf die Vertragslaufzeit: Manche binden Sie für sechs oder zwölf Monate.

Online-Nachhilfe bewegt sich zwischen 15 und 35 Euro pro Stunde für Einzelunterricht. Paketpreise sind günstiger. Manche Plattformen bieten Flatrates ab 20 Euro pro Monat, allerdings dann ohne persönliche Betreuung.

Für Familien mit geringem Einkommen gibt es Unterstützung über das Bildungs- und Teilhabepaket. Wenn Ihr Kind Leistungen nach SGB II, SGB XII, dem Asylbewerberleistungsgesetz, Wohngeld oder Kinderzuschlag erhält, können Sie Nachhilfe beantragen. Voraussetzung ist in der Regel eine Bestätigung der Schule, dass Ihr Kind versetzungsgefährdet ist und die Schule selbst keine ausreichende Förderung anbieten kann.

Woran erkenne ich gute Nachhilfe?

Die Lehrkraft fragt zuerst. Ein guter Nachhilfelehrer fragt nach den konkreten Schwierigkeiten, schaut sich die letzten Klassenarbeiten an und macht sich ein Bild vom Lernstand, bevor er unterrichtet. Wer sofort mit dem Stoff anfängt, ohne den Ausgangspunkt zu kennen, arbeitet ins Blaue.

Der Unterricht ist strukturiert. Jede Stunde hat ein Ziel. Am Ende weiss Ihr Kind, was es gelernt hat. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Schlechte Nachhilfe beschränkt sich darauf, Hausaufgaben gemeinsam zu machen, ohne die dahinterliegenden Verständnislücken zu schliessen.

Es gibt Rückmeldung an die Eltern. Nach vier bis sechs Wochen sollte die Nachhilfelehrkraft Ihnen sagen können, wo das Kind steht, was sich verbessert hat und wo noch Bedarf ist. Wenn Sie nach zwei Monaten keine Ahnung haben, was in den Stunden passiert, stimmt etwas nicht.

Das Kind geht gerne hin. Nachhilfe muss kein Vergnügen sein, aber Ihr Kind sollte nicht davor zurückschrecken. Wenn es jede Woche Widerstand gibt, prüfen Sie, ob die Chemie zwischen Kind und Lehrkraft stimmt. Ein Wechsel der Person kann Wunder wirken.

Häufige Fehler

Zu spät anfangen. Viele Eltern buchen Nachhilfe erst, wenn die Versetzung gefährdet ist. Dann muss in kurzer Zeit viel aufgeholt werden, das Kind steht unter Druck, und der Erfolg ist unsicher. Besser: frühzeitig reagieren, wenn sich eine Abwärtsspirale abzeichnet.

Die falsche Erwartung. Nachhilfe verwandelt eine Fünf nicht in einer Woche in eine Zwei. Rechnen Sie mit drei bis sechs Monaten, bis sich stabile Verbesserungen zeigen. Gerade bei aufbauenden Fächern wie Mathematik oder Latein müssen Grundlagen nachgeholt werden, bevor der aktuelle Stoff sitzt.

Zu viel auf einmal. Ein Kind, das nach sechs Stunden Schule und Hausaufgaben noch zwei Stunden Nachhilfe hat, ist überfordert. Eine Stunde pro Woche, fokussiert auf das Kernproblem, bringt mehr als drei Stunden Breitbandförderung.

Nicht mit der Schule sprechen. Informieren Sie die Klassenlehrerin, dass Ihr Kind Nachhilfe bekommt. Im Idealfall stimmt die Nachhilfe den Fokus mit der Lehrkraft ab. So wird nicht am Lehrplan vorbei gearbeitet.

Alternativen zur klassischen Nachhilfe

Nicht jedes Leistungstief erfordert bezahlte Nachhilfe. Prüfen Sie zuerst, ob die Schule eigene Fördermassnahmen anbietet: Förderstunden, Lernwerkstätten, Hausaufgabenbetreuung mit fachlicher Unterstützung. Diese Angebote sind kostenlos und oft besser auf den Unterricht abgestimmt als externe Nachhilfe.

Lerngruppen unter Mitschülern können erstaunlich effektiv sein, besonders in der Mittelstufe. Kinder erklären sich gegenseitig den Stoff in ihrer eigenen Sprache, was manchmal besser wirkt als die Erklärung eines Erwachsenen.

Und manchmal ist die Lösung keine Nachhilfe, sondern ein Gespräch. Mit der Lehrkraft, mit dem Kind, mit sich selbst. Stimmt die Schulform noch? Ist das Kind überfordert, unterfordert, demotiviert? Auf unserer Schulübersicht finden Sie Bewertungen und Erfahrungsberichte zu allen Schulen in Deutschland, die Ihnen helfen, die Situation einzuordnen.

Fazit

Nachhilfe ist ein Werkzeug, kein Allheilmittel. Richtig eingesetzt, kann sie Lücken schliessen und Selbstvertrauen aufbauen. Falsch eingesetzt, kostet sie Geld, Zeit und Nerven, ohne dass sich etwas ändert. Prüfen Sie erst, ob Nachhilfe das richtige Mittel ist. Wählen Sie dann die Form, die zu Ihrem Kind passt. Und beenden Sie die Nachhilfe, wenn das Ziel erreicht ist, nicht erst, wenn der Vertrag ausläuft. Weitere Ratgeber rund um den Schulalltag finden Sie in unserem Ratgeber-Bereich.