Rund 69 Prozent aller Schülerinnen und Schüler zwischen 6 und 17 Jahren haben die Möglichkeit, ein warmes Mittagessen in der Schule zu bekommen. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, der seit 2026 schrittweise greift, wird diese Zahl weiter steigen. Für Eltern stellt sich damit eine Frage, die noch vor zwanzig Jahren kaum jemand stellte: Was isst mein Kind in der Schule, und ist das Essen gut genug? Die ehrliche Antwort: Es kommt auf die Schule an. Die Qualität der Schulverpflegung schwankt enorm, und als Eltern können Sie mehr Einfluss nehmen, als Sie vielleicht denken.

Wie wird das Schulessen organisiert?

Die meisten Schulen kochen nicht selbst. Rund 80 Prozent des Schulessens in Deutschland wird von externen Caterern geliefert. Die Caterer bereiten das Essen in Zentralküchen zu und transportieren es an die Schulen. Dort wird es in der Mensa ausgegeben, manchmal aufgewärmt, manchmal direkt aus Warmhaltebehältern. Nur wenige Schulen leisten sich eine eigene Küche mit eigenem Kochpersonal, obwohl Ernährungsexperten darin die qualitativ beste Lösung sehen.

Die drei gängigen Verpflegungssysteme:

Cook and Hold (Warmverpflegung): Das Essen wird morgens gekocht und warm an die Schule geliefert. Es steht bis zur Ausgabe in Warmhaltebehältern. Vorteil: Das Essen kommt fertig an. Nachteil: Lange Warmhaltezeiten verschlechtern Geschmack und Nährstoffgehalt. Gemüse wird matschig, Vitamine gehen verloren.

Cook and Chill: Das Essen wird gekocht, schnell heruntergekühlt und gekühlt an die Schule geliefert. Dort wird es vor der Ausgabe wieder erhitzt. Vorteil: Bessere Qualität als reines Warmhalten, flexiblere Planung. Nachteil: Die Schule braucht eine Aufbereitungsküche mit Konvektomaten, was nicht alle haben.

Frisch vor Ort (Mischküche): In der Schule wird selbst gekocht, teilweise mit frischen Zutaten, teilweise mit vorgefertigten Komponenten. Vorteil: Die beste Qualität, frischer Geschmack, weniger Transportwege. Nachteil: Die teuerste Variante, weil Personal und Küche vorgehalten werden müssen.

Was sagt der DGE-Qualitätsstandard?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat im Auftrag des Bundesernährungsministeriums einen Qualitätsstandard für die Schulverpflegung entwickelt. Er gilt als Massstab für gutes Schulessen in Deutschland und wird regelmässig aktualisiert, zuletzt 2023.

Die wichtigsten Empfehlungen: Maximal einmal pro Woche Fleisch auf dem Speiseplan. Mindestens einmal pro Woche Fisch. Täglich Gemüse und Obst. Vollkornprodukte sollen den Getreideanteil dominieren. Hülsenfrüchte sollen regelmässig angeboten werden. Frittiertes soll die Ausnahme bleiben, nicht die Regel.

Der DGE-Standard ist eine Empfehlung, keine gesetzliche Pflicht. In Berlin ist er seit 2019 als verbindlich in den Ausschreibungen für Schulcaterer verankert, in den meisten anderen Bundesländern ist er freiwillig. Das führt dazu, dass manche Schulen hervorragend essen und andere Kantinen bieten, in denen Schnitzel mit Pommes als Dauerbrenner auf dem Speiseplan steht.

Schulen können ihr Verpflegungsangebot von der DGE prüfen und mit dem DGE-VerpflegungsCheck auszeichnen lassen. Die Auszeichnung erfolgt in den Stufen A (höchste Übereinstimmung) bis E. Fragen Sie bei der Schulleitung oder dem Caterer nach, ob die Schule am VerpflegungsCheck teilgenommen hat.

Was kostet das Schulessen?

Die Elternbeiträge für das Mittagessen variieren je nach Bundesland, Kommune und Caterer stark. Als Orientierung:

Berlin: Seit 2019 ist das Mittagessen für alle Grundschulkinder (Klassen 1 bis 6) kostenlos. Berlin ist damit bundesweit Vorreiter. Die Kosten trägt das Land Berlin.

Die meisten anderen Bundesländer: Eltern zahlen zwischen 3 und 5 Euro pro Mahlzeit. Manche Kommunen subventionieren das Essen, sodass der Elternbeitrag niedriger ausfällt.

Für Familien mit geringem Einkommen übernimmt das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) die Kosten für das Mittagessen vollständig. Es gibt keinen Eigenanteil mehr. Anspruchsberechtigt sind Familien, die Bürgergeld, Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen. Der Antrag wird beim Jobcenter oder Sozialamt gestellt. In vielen Fällen rechnet die Schule direkt mit dem Amt ab, sodass Sie als Eltern sich um nichts kümmern müssen.

Allergien und Unverträglichkeiten

Wenn Ihr Kind eine Lebensmittelallergie oder eine Unverträglichkeit hat, müssen Sie die Schule und den Caterer schriftlich darüber informieren. Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung verpflichtet alle Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung, die 14 häufigsten Allergene in ihren Speisen zu kennzeichnen: Glutenhaltiges Getreide, Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Soja, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf, Sesam, Schwefeldioxid, Lupinen und Weichtiere.

In der Praxis bedeutet das: Der Speiseplan muss für jede Mahlzeit angeben, welche Allergene enthalten sind. Die Kennzeichnung erfolgt entweder direkt auf dem Speiseplan (oft als Nummern- oder Buchstabencodes) oder mündlich auf Nachfrage. Wenn Ihr Kind eine schwere Allergie hat (z.B. Erdnussallergie mit Anaphylaxierisiko), reicht eine Kennzeichnung nicht aus. In diesem Fall müssen Sie mit der Schule und dem Caterer ein individuelles Konzept erarbeiten. Das kann bedeuten, dass Ihr Kind ein alternatives Essen bekommt oder dass Sie das Essen selbst mitgeben.

Vegetarisches und veganes Essen ist an vielen Schulen mittlerweile Standard. Der DGE-Qualitätsstandard sieht vor, dass täglich mindestens ein vegetarisches Gericht angeboten wird. Vegane Alternativen sind noch nicht flächendeckend verfügbar, werden aber zunehmend nachgefragt. Religiöse Speisevorschriften (halal, koscher) werden je nach Region und Caterer unterschiedlich gehandhabt. Fragen Sie konkret nach, wie die Schule damit umgeht.

Wie erkenne ich gutes Schulessen?

Schauen Sie sich den Speiseplan an. Steht dort jeden Tag ein Fleischgericht und nur selten Gemüse, stimmt die Balance nicht. Ein guter Speiseplan zeigt Abwechslung: Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, saisonales Gemüse, Fisch, und ja, auch mal Schnitzel oder Pizza, aber nicht jeden Tag.

Essen Sie mit. Viele Schulen bieten Eltern die Möglichkeit, am Probeessen teilzunehmen oder die Mensa zu besuchen. Nutzen Sie das. Der eigene Gaumen ist der beste Qualitätstest.

Fragen Sie Ihr Kind. Kinder sind schonungslos ehrlich, wenn es ums Essen geht. Wenn Ihr Kind regelmässig sagt, dass es das Essen nicht anrührt, kann das am Geschmack liegen, an der Atmosphäre in der Mensa oder daran, dass die Portionen zu klein oder zu gross sind.

Achten Sie auf die Essenszeit. Essen braucht Zeit und Ruhe. Wenn die gesamte Schule in 20 Minuten durch die Mensa geschleust wird, können die Kinder weder in Ruhe essen noch das Essen geniessen. Eine Mittagspause von mindestens 45 Minuten, davon 30 Minuten reine Essenszeit, empfiehlt die DGE.

Was können Eltern tun?

Engagieren Sie sich in der Schulkonferenz. Die Schulkonferenz entscheidet über das Verpflegungskonzept der Schule, über den Caterer, über die Preise und über die Qualitätsanforderungen. Wenn Sie dort mitbestimmen, können Sie die Qualität des Essens direkt beeinflussen.

Gründen Sie einen Mensaausschuss. An vielen Schulen gibt es Arbeitsgruppen aus Eltern, Lehrkräften, Schülern und dem Caterer, die sich regelmässig treffen und die Verpflegung besprechen. Wenn es so einen Ausschuss an Ihrer Schule nicht gibt, regen Sie die Gründung an.

Nutzen Sie die Vernetzungsstellen. In jedem Bundesland gibt es eine Vernetzungsstelle Schulverpflegung, die kostenlose Beratung für Schulen, Schulträger und Eltern anbietet. Sie können dort Speisepläne prüfen lassen, sich über Qualitätsstandards informieren und Kontakte zu guten Caterern bekommen.

Geben Sie Ihrem Kind ein Frühstück mit. Das beste Schulessen nützt wenig, wenn Ihr Kind morgens ohne Frühstück aus dem Haus geht. Ein Vollkornbrot, ein Stück Obst und eine Flasche Wasser sind kein Aufwand und machen einen grossen Unterschied für die Konzentration am Vormittag.

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